Gurtpflicht

So sahen die ersten Gurte in den 70er Jahren aus

Die Gurtpflicht gibt es in der Bundesrepublik seit dem 1. Januar 1976. Der Schreiber dieser Zeilen kann sich noch an die gurtfreie Zeit erinnern: zuerst gab es Autos, die nur vorne Gurte hatten, als Kind saß man – lange vor der Erfindung von Babyschale und Kindersitz –  noch hinten ganz ohne jeden Halt. Später gab es im Bekanntenkreis viele Gurtverweigerer, die vorgaben, aus gesundheitlichen Gründen keinen Gurt anlegen zu müssen. Meist störte der dicke Männerbauch. Oder ich erinnere mich an einen Onkel, der den Gurt nie anlegte, sondern ihn nur kunstvoll über seinen Bauch drapierte für den Fall, dass er in eine Polizeikontrolle geriet.

Anfang des 20Jahrhunderts kamen erst die Amis mit einem Gurt auf den Markt, der vor allem im Motorsport eingesetzt werden sollte. In Europa war es erst der Franzose Gustave-Désiré Leveau mit seinem PAtent für einen 4-Punkt-Gurt und kurz darauf der Autokonstrukteur Louis Renault mit seinem 5-Punkt-Sicherheitsgurt. In der Zwischenzeit wurde Gurte im Flugbetrieb eingeführt und verbreitet. 1959 war Volvo innovativ und ließ den 3-Punkt-Sicherheitsgurt patentieren. 1985 wurde diese Erfindung vom Deutschen Patentamt als eine der 8 Patente der letzten 100 Jahre gefeiert, die den Menschen am meisten dienlich waren. Mit dem zunehmenden Autoverkehr und den zunehmenden Unfallzahlen wurde es immer dringlicher, für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Neben Tempolimit und strengeren Verkehrsregeln gehörte dazu auch der Gurt, der letztendlich in den 70ern obligatorisch eingebaut werden musste. Zuerst nur auf den Vordersitzen, dann auch hinten. Es dauerte noch 10 Jahre nach Einführung der Pflicht ehe ein Verstoß mit einer Geldstrafe gesühnt wurde. 40 DM musste man ab 1984 berappen, wenn man ohne Gurt erwischt wurde. Das soll die Quote der Gurttrüger von 60 auf 90 gesteigert haben. Im selben Jahr wurde die Gurtpflicht in Westdeutschland auch auf die hinteren Plätze ausgedehnt.

Die seit den 1970er Jahren geltende Ausnahmeregelung für Taxifahrer  – sie waren lange von der Gurtpflicht ausgenommen – verlor 2014 ihre Gültigkeit.

Wer ohne Gurt in einen Unfall gerät, muss für seine Verletzungen und die Folgen daraus mithaften, auch wenn er selbst nicht schuld war. Das entschied das Oberlandesgericht München in einem Urteil (Az. 10 U 1931/12)

Gurte nach einem Unfall unbedingt austauschen!

Wichtig ist auch daran zu denken, die Gurte austauschen zu lassen, wenn sie in einem Unfall gedehnt wurden. Die Auswechslung der Gurte muss auch der KFZ-Gutachter im Gutachten berücksichtigen. Er fragt deshalb auch nach einem Unfall, wie viele Insassen im Unfallwagen saßen. Die Kosten für den Austausch der Gurtsysteme können dadurch unterschiedlich hoch ausfallen.

 

Lesenswert: SPIEGEL-Artikel zur Einführung der Gurtpflicht vom 23.12.2010

Call Now Button
Scroll to Top